Friederike Delong, freie Traurednerin, Leiterin Team Trautante, Veranstalterin des ersten deutschen Wedding Camps

 

Friederike Delong habe ich vor Jahren in meinem Online-Texterinnen-Club kennengelernt. Damals lebte sie als Managerin für Corporate Identity und Corporate Design am Bodensee. 2013 las ich dann auf Facebook: „Wir ziehen nach Wiesbaden!“ Es wurde aber tatsächlich Sommer 2016, bis wir uns erstmals im „richtigen Leben“ begegnet sind.

Zu diesem Zeitpunkt wusste ich, dank Facebook, schon eine Menge über Friederike. Ich konnte über das soziale Netzwerk nicht nur an ihrem Leben, sondern auch an ihrem Leid teil haben. Denn die witzige, quirlige, lebenslustige Friederike (von Beruf mittlerweile freie Traurednerin), hat Fibromyalgie. Sie lebt mit ständigen Schmerzen und zahlreichen Nahrungsmittelunverträglichkeiten.

Über ihre Erfahrungen mit der Krankheit (und der völlig überforderten Ärzteschaft) betreibt sie eine Facebook-Seite. „FibroRike – mein Leben mit Fibromyalgie“, gestartet Dezember 2015, hatte bereits nach wenigen Wochen über 600 Fans.

Aber eigentlich wollte ich Euch ja erzählen, was eine freie Traurednerin macht. 😉

Nun, eine freie Traurednerin bringt verliebte Paare unter die Haube. Und das ist, laut Friederike: „Der beste, schönste und tollste Beruf der Welt“. Friederike macht diesen Job nun seit drei Jahren und hält ihn für ihre Berufung. Sie ist (unter dem Namen Trautante) Markführerin in Deutschland, beschäftigt ein vierköpfiges Kollegen-Team, bildet den Nachwuchs aus und veranstaltet im November das erste deutsche Wedding Camp.

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Friederike Delong. Foto: Julia Vanessa Utsch

Schulflüchterin und hochbegabtes Multitalent

„Gymnasium und Elternhaus habe ich schon mit 17 hinter mir gelassen,“ erzählt Friederike. Wir sitzen in ihrem Büro in der Dotzheimer Straße, einem riesigen Raum im Dachgeschoss, direkt neben Friederikes Wohnung. Überall liegen Hochzeitszeitschriften und Hochzeitsdeko herum. Während Friederike erzählt, fertigt sie mit Holzstäbchen und Bändern ein Deko-Unikat für eine Trauung.

Zwischendurch kommt ein Paketbote. Er liefert fast täglich in das Büro, in dem sich alles darum dreht, verliebten Paaren den glücklichsten Tag ihres Lebens zu gestalten.

Doch immer schön der Reihe nach.

„Nachdem ich die Schule mit der mittleren Reife verlassen hab, hab ich erstmal gejobbt. Im Baumarkt, als Tagesmutter und auf der Expo 2000 in Hannover. Dort war ich war Behinderten-Betreuerin. Anschließend wurde ich Telefonistin bei einem Concierge-Service. Da habe ich zum Beispiel von Hannover aus dafür gesorgt, dass eine Gruppe von Managern, die unerwartet ein sehr langes Meeting in Dresden hatte, um drei Uhr in der Früh von einem lokalen Caterer Kaffee und Häppchen bekam.“

Doch irgendwann war´s vorbei mit dem Jobben. Man entdeckte, dass Friederike einen schlafenden, inoperablen  Gehirntumor mit sich herumtrug. Eine amtsärztliche Untersuchung sollte feststellen, inwieweit sie arbeitsfähig war.

Nach einer langen Reihe von Tests stellte sich heraus: Friederike war zwar gesundheitlich angeschlagen, aber hochbegabt. Eine gewitzte Beraterin des Arbeitsamts Braunschweig empfahl die 19jährige in ein Pilotprojekt, eine modulare Ausbildung zur Mediengestalterin. Im Rahmen dieser Ausbildung lernte Friederike im Schnelldurchlauf die Gestaltung und Produktion von Druckobjekten und Webseiten, Fotografie, Dekoration und Eventmanagement.

Friederike machte schnell Karriere. Mit Mitte 20 war sie Managerin für Corporate Identity und Corporate Design.

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Eine Trauung zum Thema Elemente. Foto: Ines Njers

Managerin für Corporate Identity und Corporate Design

„Ich habe Unternehmen dabei geholfen, herauszufinden wer sie eigentlich sind und was sie machen. Im zweiten Schritt habe ich sie dann dabei unterstützt, diese Inhalte nach außen zu kommunizieren,“ sagt Friederike. Sie hat Marketing- und Designkonzepte erstellt, in Pläne umgesetzt und realisiert. „Mein Aufgabengebiet war die Entwicklung der Marketingstrategie bis zur Entwicklung von Logo und Design Manual. Aber ich habe mich auch um Mediaplanung, Messestände, PR, Social Media, Anzeigen, Plakate sowie Funk- und Kinospots gekümmert.“

Am liebsten hat sie mit Existenzgründern gearbeitet. „Da kann man noch etwas bewirken. Wenn das Unternehmen erst eine bestimmte Größe hat und viele verschiedene Entscheider eine Idee zereden, verpufft leider vieles.“

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Dieses Paar lernte sich bei einer Gartenparty kennen. Foto: Steven Herrschaft

Heiratsantrag und Hochzeitsplanung

„2012 bekam ich einen Heiratsantrag, nahm an und machte mich an die Hochzeitsplanung,“ erzählt Friederike weiter.

Wie fast alle Hochbegabten hat sie ein rasantes Erzähltempo und hüpft, ohne den Faden zu verlieren, zwischen verschiedenen Themen hin und her. „Ich tummelte ich mich in verschiedenen Hochzeitsforen und lernte noch andere Bräute kennen.

Gemeinsam mit den „Brautkolleginnen“ machte sie sich Gedanken, wie eine Trau-Zeremonie ausssehen könnte. Alle wünschten sich eine persönliche Trauung. Gleichzeitig ernsthaft und mit Pfiff. Doch geeignete Trauredner waren schwer zu finden. „Da sagte ich in jugendlichem Lichtsinn: Ach, eine Trauung, das mache ich schon!“

Die Idee nahm schnell Gestalt an. Noch ehe sie selbst verheiratet war, hatte Friederike einen neuen Beruf und als freie Traurednerin das erste Paar unter die Haube gebracht.

 

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Friederike führt den Prinzen zum Dornröschen. Foto: Steven Herrschaft

Erste Hochzeitsmesse und Start als Trautante

Im Januar 2013 hatte Friederike bereits einen Stand auf einer Hochzeitsmesse. „Ein Freund hatte mich angemeldet. Ich habe alles falsch gemacht, was man nur falsch machen kann und es war Eisregen. Statt der erwarteten 3000 Besucher kamen 300. Ich fand keine Gelegenheit mit jemandem ins Gespräch zu kommen und bin ohne Auftrag nach Hause gegangen.“

Doch Friederike ließ sich nicht entmutigen. „Ich habe ein Profil auf zeremonienleiter.de angelegt und fünf Tage später kam der erste Anruf. Das war der Start meiner Trautanten-Karriere, zunächst im Nebenberuf.“ Die Berufsbezeichnung „Trautante“ hat ihr ein Hochzeitspaar verpasst.

Friederikes Hochzeitszeremonien sind alle einzigartig, so wie das jeweilige Paar. „In einem ausführlichen Gespräch lasse ich mir genau erklären, was die Beziehung ausmacht. Wie sich die Leute kennengelernt haben. Und was sie verbindet.“ Aus dem Gehörten entwickelt sie dann das passende Ritual. Friederike schreibt die Trau-Rede, entwickelt die Zeremonie und kümmert sich um das Drumherum. „Wenn am Ende auch die misstrauische Großmutter der Braut zufrieden ist, war alles richtig.“ Friederike grinst.

Aber: „Ich kümmere mich nur um die Trauung selbst.“ Die Planung des Festes übernehmen Freunde, Familie oder professionelle Hochzeitsplaner. „Und natürlich müssen alle Paare auch auf´s Standesamt. Das ist in Deutschland vorgeschrieben. Eine kirchliche Trauung mit Pfarrer hat ja auch keine gesetzliche Wirkung.“

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Hausbau. Foto: Marc Krischak

Marketing Mangerin im Musik-Verlag und die Diagnose Fibromyalgie

Im Sommer 2013 zog Friederike vom Bodensee nach Wiesbaden. Ihr Mann hatte hier einen neuen Job. Sie selbst fand einen Stelle als Marketing Managerin bei einem Musikverlag. Gleichzeitig baute sie ihr „Trautanten-Business“ weiter auf. Bis zum Ende der Hochzeitssaison 2015, im Oktober, hatte sie 92 Paare getraut.

Kurz vor Weihnachten brach Friederike zusammen. Die Diagnose: Fibromyalgie. „Ich war froh, dass das Übel endlich einen Namen hatte. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt seit 15 Jahren ständig Schmerzen und keiner konnte mir sagen, was los war.“

Die Trautante verbrachte qualvolle Monate in einer Klinik, kündigte ihren Marketing Job und versucht seither Krankheit und Berufung möglichst gut unter einen Hut zu bringen.

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Ein Ritual zum Thema Wein. Foto: Alex Krombholz

Team Trautante und Trautanten-Ausbildung

„Ich mache selbst nur noch 30 Trauungen im Jahr,“ stellt Friederike fest. Sie ist mittlerweile Marktführerin in Deutschland. „Alle übrigen Anfragen übernehmen meine Mitarbeiter.“

Zu ihrer Entlastung hat sie während der vergangenen Hochzeitssaison ein insgesamt fünfköpfiges Team aufgebaut. Drei Trautanten und ein Trauonkel unterstützen die Chefin. Alle vier wurden von Friederike monatelang sorgsam geschult. „Sie machen alles, was ich auch mache. Vom Kennlerngespräch über die Gestaltung der Zeremonie bis zur Traurede.“

Mit Einzel-Coachings und einwöchigen Intensiv-Trainings sorgt sie überdies dafür, dass sich der Beruf „freie Traurednerin/ freier Trauredner“ in Deutschland weiter verbreitet.

Natürlich traut sie auch Paare im Ausland. „Quasi als Auftakt der Flitterwochen. Ich komme an jeden Ort der Welt.“ Friederike träumt von einem Einsatz in der Karibik.

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Küsschen für die Trautante. Foto: Rebecca Conte

Erstes deutsches Wedding Camp

Im November feiert Friederikes nächstes „Baby“ Premiere. Das erste deutschen Wedding Camp. Dort treffen sich rund 30 Trauredner zum kollegialen Austausch. „Das ist der Testlauf. Im nächsten Jahr öffnen wir das Camp für alle Gewerke, die sich mit dem Thema Hochzeit und Heiraten beschäftigen.“

Mehr über die Trautante, Trauungen, Team, Coachings und Workshops findet Ihr hier. Zum Wedding Camp gehts da. Und die Facebook-Seite FibroRike – mein Leben mit Fibriomyalgie ist dort.

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2 Gedanken zu „Friederike Delong, freie Traurednerin, Leiterin Team Trautante, Veranstalterin des ersten deutschen Wedding Camps

  1. Da ich Rike (und selbstverständlich ihren Mann) ja seit geraumer Zeit vom Bodensee her kenne, war es schön diese Zusammenfassung hier gelesen zu haben. Sie hat mich auch einmal liebevoll dazu bewegen können, sie im Krankenhaus zu besuchen – ich mag solche Besuche ja mal so gar nicht, aber für Rike gerne. Schön das beide so gut in Wiesbaden angekommen sind. Aus meiner Sicht nur leider weit weg um mal eben zum Spieleabend vorbei zu kommen.

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    • Man kann nach Wiesbaden auch sehr gut einen Wochenendausflug machen. 😉 Und den Spieleabend bei Rike mit einem Besuch in den Thermen und einer Wanderung im Rheingau ergänzen. 🙂

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