Dem Himmel so nah – Landschaftsmeditation im Garten der heiligen Hildegard

Blick in eine weite Landschaft.

Unterm Wolkendach. Blick aus dem Garten der Abtei St. Hildegard nach Ingelheim und Mainz. Foto: Clia

Vor ein paar Tagen hab ich im Garten der  heiligen Hildegard in Eibingen gesessen. Von der Abtei im Rheingau hat man einen traumhaften Blick in die Ferne. Hügel, Weinberge und Wälder so weit das Auge reicht. Und über dieser Landschaft der Himmel. Weit und unendlich bis zu dem Punkt an dem er die Erde berührt. Im Angesicht des Horizonts und dem Wissen, dass diese Landschaft schon seit tausenden von Jahren existiert, verschieben sich die Dimensionen des Alltags. Sorgen und Nöte werden ein bisschen kleiner. Ein bisschen unbedeutender. Die perfekte Ausgangssituation für eine Meditation.

Die Meditation vorbereiten

Am wichtigsten ist natürlich ein geeigneter Sitzplatz. Ich habe mich für eine Bank im Garten entschieden und mich dort erst mal ein bisschen „eingerichtet“, mein Lunchpaket ausgepackt und einen Kaffee im Klosterkiosk geholt. Dort steht ein Automat mit sehr gutem Fair-Trade-Kaffee und es gibt auch eine kleine Auswahl an Bio-Kräuter-Tees.

Als ich dann durch Essen und Trinken nicht nur satt, sondern auch gut geerdet war, habe ich mich in die Meditationshaltung begeben. Rücken gerade, beide Füße fest am Boden, Scheitelpunkt Richtung Himmel. Dann habe ich meine Achtsamkeit einige Augenblicke auf den Atem gelenkt, so wie ich es vor fast einem halben Leben bei der buddhistischen Meditationsmeisterin Ayya Khema gelernt habe.

Landschaftsmeditation

Anschließend habe ich einfach meinen Blick in die Ferne schweifen lassen und eine halbe Stunde lang die Landschaft betrachtet, sie sozusagen zu meinem Meditationsobjekt gemacht. Das Übrige passierte ganz von selbst. Während man sich ja sonst beim Meditieren immer sehr stark konzentrieren muss, damit die Gedanken beim Meditationsobjekt bleiben, ist die Konzentration auf diese Landschaft ganz einfach. Man kann völlig darin versinken und der Kopf wird dabei vollkommen frei. – Die Abtei wurde ganz sicher nicht zufällig an dieser Stelle gebaut.

Wenn Ihr die Abtei St. Hildergard als Meditationsort ausprobieren wollt, kann es nicht schaden, die Zeit gut zu planen. Denn früher oder später läuten die Glocken der Kirche, dann ist´s mit der Konzentration vorbei. Zumindest war´s bei mir so. 😉

P.S.

Hildegard von Bingen hat in diesem Garten selbst nie gesessen. Die Abtei, oberhalb von Eibingen, wurde erst 1904 eingeweiht.

Das Kloster, das Hildegard 1165 im Ort gegründet hat, wurde 1803 aufgehoben, die ehemalige Klosterkirche von der Pfarrgemeinde Eibingen übernommen. Die Kirche brannte 1932 ab. Heute steht an ihrer Stelle die Wallfahrtskirche St. Hildegard.

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3 Gedanken zu „Dem Himmel so nah – Landschaftsmeditation im Garten der heiligen Hildegard

  1. Mit großer Wahrscheinlichkeit hat Hildegard von Bingen das Kloster gar nicht (wieder)gegründet. Nach Quellen wurde es 1148 von einer Marka, einer Adeligen gegründet. Die Legende, dass Hildegard das angeblich 1165 zerstörte Kloster wiedergründete, ist nicht durch Quellen zu belegen. Erst der im 19. Jahrhundert lebende Eibinger Pfarrer Schmelzeis berichtet davon in seiner Vita über Hildegard – in den Jahrhunderten davor, in denen es auch zahlreiche Hildegard-Biografen gab: nichts. Warum? Keine Ahnung, vielleicht, um Eibingen bekannter zu machen. Mag sein, dass Quellen verloren gegangen sind, die die Wiedergründung durch Hildegard belegen, aber es ist komisch, dass Hildegard Eibingen nie erwähnt und die im 13. Jahrhundert in Rupertsberg angefertigte Heiligenvita nicht die Wiedergründung Eibingens nennt, was sicher ein Grund mehr für die Besonderheit ihrer Person gewesen wäre. Eibingen wird erstmal 1268 als eine Art Filialkloster von Rupertsberg genannt. Nachzulesen in der Hildegard-Dauerausstellung im Museum am Strom in Bingen sowie einem dort erhältlichen (wissenschaftlich fundierten) Aufsatzes.

    Dennoch – das Eibinger Kloster ist nach der Zerstörung Rupertsbergs 1632 und der Bebauung des Rupertsbergs im 19./20. Jahrhundert der Ort, wo Hildegards „Geist“ sicher noch am ehesten weht. Und auch wegen der unglaublich lieben Nonnen definitiv eine Reise wert!

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  2. Pingback: Ausstellung: Hildegard von Bingen im Museum am Strom | Café Clia

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