Warum ich meine Arbeit liebe! Ein Beitrag zur Blogparade #Lieblingsjobs

Workshop im Rahmen der Aktionswoche

Mein Workshop im Rahmen der Aktionswoche „Wiesbaden Engagiert“. Foto: Jeanette Bouffier, Netzwerk Ariadne

Ich liebe meine Arbeit. Daher ist die Blogparade #lieblingsjobs von Texter-Kollegin Annette Lindstädt wie für mich gemacht. Und natürlich ist es gerade für Menschen mit Histaminsensibilität sehr wichtig, den richtigen Beruf zu haben. Die Arbeit soll Spaß machen und gut zu organisieren sein, damit keine allzu langen Stressphasen entstehen. Meinen Beruf habe ich sozusagen selbst erfunden. Ich schreibe Worte für Alle, Texte in einfacher und leichter Sprache. Und neuerdings trainiere ich auch Andere im Schreiben von leicht lesbaren Texten. Bis ich so weit war, bin ich viele Umwege gegangen.

Der Job vor dem Beruf

Am Anfang habe ich, so wie viele andere Journalisten und Texter auch, ganz „normale“ Texte für  Redaktionen, Agenturen und Unternehmen verfasst. Schreiben macht mir Spaß. Und eine Zeit lang war ich sogar als Kommunikations-Managerin unterwegs, ich kann nämlich auch sehr gut organisieren und Projekte leiten.

Gleichzeitig war ich immer ein Stück unzufrieden. Werbe- und Medienwelt erschienen mir nach der Anfangsbegeisterung immer ein bisschen oberflächlich. Ich habe ein tiefes Bedürfnis zu verstehen. Menschen ebenso wie Sachthemen. Doch irgendwann war die Zeit der langen Texte vorbei. Tempo zählte mehr als Inhalt. Zur Jahrtausendwende war ich reif für eine Veränderung. – Meine Umwelt leider noch nicht.

Der lange Weg zum Start

Zeitgleich mit der Riesen-Wirtschaftskrise 2001/2002 (damals zerbröselte die New Economy) begann ich nach einem neuen Einsatzfeld zu suchen. Das war ein dummes Zusammentreffen der Ereignisse. Mein gesamtes berufliches Netzwerk war mit dem Börsencrash zusammengebrochen, die Kollegen in andere Branchen oder ins Ausland geflüchtet. Social Media lag noch in der Zukunft. Ich schleppte mich durch unerfreuliche Jahre. Machte hier eine Weiterbildung, dort ein Coaching. Bekam immer wieder das Etikette Beratungsresistent aufgeklebt, während ich mich nicht gesehen fühlte und vermutlich auch tatsächlich nicht gesehen wurde.

Schließlich hörte ich gleich von mehren Seiten: solch eine Odysee sei bei Hochbegabten völlig normal. Besonders in kreativen Berufen. Ich hörte auf, ständig mit mir zu hadern, ließ Coaches, Seminarleiter und ihre skurrilen Ansichten über mich hinter mir und richtete den Blick nach außen. Kurze Zeit später wurde ich fündig.

Entdeckung und Notwendigkeit barrierefreier Kommunikation

An der Uni Mainz entdeckte ich einen Abendvortrag über barrierefreie Kommunikation. Das klang spannend. Den Begriff Barrierefreiheit kannt ich bisher nur im Zusammenhang mit Bauen und Wohnen. Ich konnte mir nicht vorstellen, was Barrierefreiheit mit Kommunikation zu tun hat. Tatsächlich ist diese Art von Kommunikation im deutschsprachigen Raum noch sehr neu und fast unbekannt.

Nach dem Vortrag war ich nicht nur schlauer, sondern vollkommen von der Notwendigkeit überzeugt. Um allen Menschen den Zugang zu Informationen zu ermöglichen, braucht man Kommunikationsmittel für Alle. Auch Sprache kann ein Hindernis sein. Texte in schwieriger Sprache verhindern, dass Menschen mit einfacher Ausbildung gleichberechtigt an allen Bereichen des Lebens teilnehmen können. Und natürlich gilt das noch mehr für Menschen mit Sprachproblemen, Lernschwierigkeiten und Leseschwäche.

Die lange Suche nach einer Weiterbildung

Gleich am nächsten Tag suchte ich nach einer Weiterbildung für leicht lesbare Texte. Es dauerte Monate bis ich endlich eine fand. Das Thema findet bisher kein breites Interesse, obwohl Studien belegen: rund 34 Prozent der Erwachsenen können zusammenhängende Texte nur dann verstehen, wenn sie einfach geschrieben sind. Und weitere 17,5 Prozent können nur einzelne Wörter erkennen oder kurze Sätze verstehen. 1,5 Prozent können noch nicht einmal das.

Mit einem Satz: mehr als die Hälfte (!!!) aller Erwachsenen sind beim Lesen von anspruchsvollen Zeitungen „außen vor“. Und natürlich auch beim Lesen von Behördenschreiben, Newslettern, Mails und Briefen von Krankenversicherungen, Vermietern, Energieversorgern, Kommunikationsanbietern. Also bei allen Texten, die das Alltagsleben in den Briefkasten und das E-Mail-Postfach schickt.

Dasselbe gilt natürlich auch für Broschüren und Webseiten.

Mein erster Lieblingsjob – leicht lesbare Texte

Das Wichtigste am Schreiben von leicht lesbaren Texten ist die Recherche. Denn je einfacher die Worte sein sollen, umso genauer muss der Schreiber verstanden haben, um was es geht. Es ist nötig ausgiebig zu (hinter-)fragen. Der Beruf ist also wie für mich gemacht.

Und auch beim Schreiben selbst, habe ich einen Vorteil. Ich bin „native Speaker“. Einfache Sprache ist meine Muttersprache. Im Gegensatz zu vielen Texterkollegen bin ich nicht in einer Akademikerfamilie aufgewachsen.

Leichte Sprache, also die Sprache, die auch  Menschen mit Sprachproblemen, Lernschwierigkeiten und Leseschwäche verstehen, musste ich allerdings lernen. Und beim Schreiben lerne ich jeden Tag mehr.

Mein zweiter Lieblingsjob – Schreibtraining

Mittlerweile trainiere ich auch die Mitarbeiter von Unternehmen im „einfach schreiben“.  Andere Menschen Weiterzubilden hatte ich eigentlich nicht „auf dem Schirm“ und ich habe mich lange Zeit davor gedrückt. Doch die Nachfragen wurden immer mehr und immer dringlicher. Irgendwann habe ich dann einfach nachgegeben.

Mittlerweile habe ich festgestellt: Schreibtraining ist toll. Da bekomme ich unmittelbar mit, wenn Andere verstehen, wie wichtig leicht lesbare Texte sind. Und wie sehr sie gebraucht werden.  Teilnehmersätze wie: „Ohne Sie wäre ich gar nicht auf die Idee gekommen, dass Sprache ein Hindernis sein kann.“ oder „Ich werde künftig versuchen, alle meine Texte in einfacher Sprache zu schreiben. Ich will nämlich, dass mich alle verstehen“ sind für mich ein Riesengeschenk. Das Sahnehäubchen aufs Honorar. 🙂

Noch ein bisschen mehr über barrierefreie Kommunikation und leicht lesbare Texte gibt´s auf meiner Seite Worte für Alle.

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3 Gedanken zu „Warum ich meine Arbeit liebe! Ein Beitrag zur Blogparade #Lieblingsjobs

  1. Liebe Clia,
    was für ein schöner Beitrag, den ich sehr gern las.
    Wünsche dir weiterhin viel Spaß und Erfolg!

    Liebe Grüße,
    Manon

    Gefällt mir

  2. Liebe Manon,

    ich freue mich sehr, dass Dir der Text gefällt. Einiges darin kommt Dir möglicherweise ein bisschen bekannt vor? 😉

    Sonnige Grüße
    Clia

    Gefällt mir

  3. Pingback: blogparade: lieblingsjobs | worthauerei

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