Operncouch bei Don Giovanni in Mainz

Meine Eintrittskarte für Don Giovanni

Meine Eintrittskarte für Don Giovanni

Seit drei Tagen schiebe ich das Schreiben dieses Blogeintrags vor mir her. Aus gutem Grund. Einerseits weiß ich, wie schmerzhaft eine negative Meinung über die eigene Arbeit sein kann. Gerade für Künstler und Kreative. Andererseits kann ich über die aktuelle Inszenierung von Don Giovanni in Mainz nicht viel Gutes berichten. Oder doch. Ich hatte einen charmanten Begleiter. Simon Morgan von Melomania hatte mich auf seine Operncouch eingeladen.

Operncouch für Opern-Novizen

Erfahren hatte ich von dem Projekt auf Twitter. Simon suchte, via @SP-Morgan, seinen ersten Bewerber für Operncouch, eine Art zeitversetztes Blogger-Duett. Vor dem gemeinsamen Opernbesuch stellte mir Simon Fragen zu Musik und Oper auf seinem Blog. Nach dem gemeinsamen Opernbesuch berichte ich über meinen Eindruck hier in Café Clia.

Simon suchte für das Duett nicht irgendeinen Partner, sondern einen Opernnovizen. Also jemand der noch wenig oder gar keine Erfahrung mit diesem Genre hat. Natürlich war ich sofort Feuer und Flamme für diese Idee (ich kannte schon als Leserin die Konzertcouch im Blog Orchestrasfan von Ulrike Schmid), habe mich beworben und wurde ausgewählt. So machte ich mich am vergangenen Samstag auf den Weg nach Mainz. Ins Staatstheater. Zu Don Giovanni.

Vorbereitung auf den Opernbesuch

Um nicht völlig planlos zu sein, hatte ich vor dem Opernbesuch Tante Google nach Don Giovanni befragt und bei Youtube schon mal ´reingehört. Ich wollte gerne verstehen um was es geht. Und stellte fest: das Stück ist eigentlich nicht kompliziert. Ein Wüstling macht ein paar Frauen unglücklich (ein paar zu viel) und fährt dafür in die Hölle.

Wo bitte geht´s hier zur Handlung?

Doch das hatte ich mir zu einfach vorgestellt. Der Mainzer Regisseur hatte sich nämlich eine opulente Rahmenhandlung ausgedacht. Eine Kulisse irgendwo im Osten. Ein Gebäude mit arabischen Schriftzeichen. Zweigeschossig, so dass man seine Augen gleichzeitig auf zwei Etagen und dem Platz vor dem Haus haben musste, denn die Handlungsstränge liefen teilweise parallel. Irgendwie hatte ich das Gefühl, meine Augen waren immer (oder häufig) dort wo die Haupthandlung gerade nicht war.

So sah ich: Soldaten, die ohne erkennbaren Grund immer wieder mit Waffen die Bühne stürmten. Eine Geliebte, die Akten schredderte. Einen Diener, der via Tablet, Buch über das (Liebes-)Leben seines Herrn führte. Eine Hochschwangere, die auf der Bühne Mutter wurde. Eine Gedenkstätte mit Kerzen und Blumen, wie man sie von europäischen Straßen und Plätzen kennt. Und einen Don Giovanni, der darüber pinkelt. Gegen Ende gab es auch noch eine längere Abendmahlszene. Fragt mich bitte nicht nach dem warum. Ich habe keine Ahnung.

Simon meint, er habe auch irgendwann eine Szene mit einem USB-Stick gesehen. Nun, das ist mir „durchgerutscht“. Es passierte einfach viel zu viel gleichzeitig auf der Bühne. Irgendwann war ich schlicht nicht mehr aufnahmefähig. Don Giovanni dauert nämlich fast drei Stunden.

Gesungen und musiziert wurde natürlich auch. Vor lauter Gimmicks habe ich die Musik aber leider nur als Nebenrolle wahrgenommen. 😦 😦 😦

Advertisements

3 Gedanken zu „Operncouch bei Don Giovanni in Mainz

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s